Antarktis
Basiswissen Antarktis
(RS) Die Antarktis ist der Kontinent am Südpol, das zumindest ist allen sicherlich irgendwie bekannt, und jeder weiß, dass es dort Pinguine, Eis und Minusgrade gibt, doch wer weiß schon, wie sie wirklich aussieht?
Die Landmasse "Antarktis" ist 13,2 Millionen km2 groß, Europa dagegen hat nur 10,5 Millionen km2 und Australien gar nur 7,7 Millionen km2. Genau genommen heißt der Kontinent "Antarktika". Zur "Antarktis" zählen noch der Südliche Ozean, der sich rundum den Kontinent Antarktika erstreckt, sowie eine Reihe von Inseln.
Die Antarktis
Die Grenze der Antarktis ist nicht leicht zu definieren. Politisch gilt der 60. Breitengrad als Grenze (Geltungsgebiet des Antarktis-Vertrages); aus naturkundlicher Sicht bietet sich die sogenannte "Antarktische Konvergenz" an, eine Grenzzone, in der kalte, antarktische Wassermassen und gemäßigtere aus dem Norden aneinanderstoßen. Diese ozeanographisch-ökologisch sehr bedeutsame Grenze ist nicht scharf, sondern erstreckt sich über eine gewisse Nord-Süd-Distanz. Zudem schwankt sie zeitlich. Sie liegt ungefähr bei 50°S (südliche Breite). Die große Bedeutung der Antarktischen Konvergenz liegt in ihrer ungeheuren biologischen Produktivität: hier kommen nährstoffreiche Wassermassen in oberflächennahe, lichtdurchflutete Wassermassen. Vom darauf basierenden Algenwachstum ernährt sich tierisches Plankton, vor allem der berühmte Krill, ein 5-6 cm langes Krebstierchen, das direkt oder indirekt praktisch der gesamten größeren Tierwelt derRegion als Nahrung dient: Vögel (inklusive Pinguine), Robben, Fische und Wale.
Die Landregionen der Antarktis sind fast vollständig von Gletschereis bedeckt und somit praktisch tot. Das Leben tobt (fast) nur im Sommer und an geeigneten, meist küstennahen Stellen, an denen Pinguine brüten und Robben ihre Kolonien haben. Tiefer im Land gibt es fast kein Leben mehr. Die Ausnahmen sind – sehr punktuell – Vogelkolonien an einigen eisfreien Berghängen sowie die Brutplätze der Kaiserpinguine, die in weiter Distanz zum Meer auf dem Eis brüten – im antarktischen Winter, als einzige Tierart des südlichen Kontinents! Kaiserpinguine sind die größte Pinguinart der Erde. Sie sind hochspezialisiert und somit äußerst gut an die extremen Bedingungen angepasst, was sie in die Lage versetzt, monatelange Finsternis und Schneestürme mit orkanartigen Windstärken und Temperaturen von unter minus 40°C bei gleichzeitigem Fasten zu überleben.
Alle anderen Tiere, auch die anderen Pinguin-Arten, brüten im Südsommer: Hochsaison ist von November bis Februar. Pinguine sind bekanntermaßen die Charaktertiere der Antarktis. Das ist fast erstaunlich, wenn man sich überlegt, dass von weltweit 17 Pinguin-Arten nur 4 tatsächlich in der Antarktis brüten (Kaiser-, Adelie-, Esel- und Kehlstreifpinguin). Andere Pinguine finden sich in der Sub-Antarktis, also etwas weiter im Norden, etwa auf den Falkland-Inseln und der abgelegenen Insel Südgeorgien, auf der die berühmten, riesigen Königspinguinkolonien zu finden sind. Eine größere Zahl an Pinguin-Arten mag es eher warm und brütet an den Küsten von Chile/Peru, in Südafrika oder im Pazifik.
Wer also in die Antarktis reist, um Pinguine zu sehen, wird dort nur eine recht überschaubare Artenvielfalt erleben, dafür allerdings viele Individuen, was typisch ist für Polargebiete. Wer bestimmte Wünsche hat in Bezug auf einzelne Arten, muss sich vorher genau überlegen, wohin die Reise gehen soll (siehe unten).
Ein Kehlstreifpinguin füttert sein (oder ihr?) Küken.
Ein Eselspinguin hat sich zum Schlafen hingelegt – auf dem Gummstiefel eines Besuchers!
Zwergwale
Seeleopard bei der Siesta
Ähnlich verhält es sich mit den Robben. Große Kolonien, in denen sich hunderte oder gar tausende von Robben drängen, gibt es nicht in der Antarktis, sondern etwas weiter nördlich, etwa in Südgeorgien und sonstwo. In der Antarktis hingegen sieht man eher einzelne Tiere, oft im Wasser oder auf Eisstücken ruhend, oder kleinere Ruheplätze an Land. Auch hier ist die Artenvielfalt überschaubar: Weddell-, Krabbenfresser- und Pelzrobben ("Seebären") lassen sich vielerorts recht häufig blicken, wie auch der Seeleopard, dessen Mahlzeiten ein blutiges, beinahe grausames Spektakel sind: er jagt Pinguine, spielt mit diesen wie eine Katze mit einer Maus und tötet sie schließlich, indem er sie über Wasser hin- und herschleudert, bis die Haut reißt und der Körper aus der Haut fliegt. Wirklich!
Die Ross-Robbe ist zwar zahlreich, kommt aber nur ganz wenigen Menschen jemals vors Auge, da sie im entlegenen Ross-Meer lebt.
Friedlicher und überall verbreitet sind Wale. Neben Zwergwalen und eher seltenen Arten wie Blauwal und Pottwal sind es vor allem Buckelwale, die zahlungskräftige Naturliebhaber gelegentlich mit akrobatischen Sprüngen erfreuen. Sie ziehen im Laufe der Saison weiter nach Süden, so dass die Sichtungen sich im Februar oder sogar März mehr und mehr häufen – 50 oder mehr Walbeobachtungen innerhalb einer 10-tägigen Reise sind gar nicht so ungewöhnlich.
Neben der faszinierenden Tierwelt ist es vor allem die beeindruckende Landschaft, die Besucher in wachsenden Zahlen zum "letzten" Kontinent zieht. Die Dimensionen sind atemberaubend, die küstennahe Landschaft in den touristisch zugänglichen Regionen absolut spektakulär. Schroffe Berglandschaften, die mehr oder weniger unter wilden Gletschern versinken, sind die Regel. Von steilen Gletscherfronten brechen immer wieder Eisberge ab, auf denen das Sonnenlicht unglaubliche Farben zaubern kann. Apropos Sonnenlicht – südlich des Polarkreises herrschen im Hochsommer Polartag und im tiefen Winter Polartag, aber so weit südlich kommen die wenigsten Touristen. Daher bleibt auch die Aurora australis, das südliche Gegenstück der berühmten Nordlichter, den meisten Besuchern vorenthalten.
Eisberge können leicht über 50 Meter hoch sein – kaum vorstellbar, dass nur etwa 10 % über Wasser sichtbar sind, die sprichwörtliche Spitze des Eisberges eben, unter der sich noch einmal ein vielfaches der sichtbaren Masse befindet!
Landschaft an der Antarktischen Halbinsel
Touristen auf Entdeckungsfahrt im "Zodiac" (Schlauchboot)
Die wahren Giganten aber kommen vom Schelfeis, einer antarktischen Besonderheit, die es auf der Nordhalbkugel nicht gibt (bis auf ein paar vergleichsweise zwergenhafte Exemplare in der nordamerikanischen und russischen Arktis). Der Begriff "Schelf(eis)" wird oft falsch verstanden. Tatsächlich handelt es sich um einen Teil eines aktiven Gletschers. Dieser liegt zunächst auf Land auf, kann seine eisige Zunge aber so weit ins Meer hervor schieben, dass diese nicht mehr auf Grund aufliegt, sondern schwimmt. Bei den meisten Gletschern bricht das Eis an dieser Stelle ab ("kalben") und treibt in Form von Eisbergen weg, aber bei riesigen Gletschermassen, die mit vielen hundert Metern Stärke noch zu dick sind, um abzubrechen, schwimmt eben ein Teil des Gletschers: dies ist der Eisschelf. Es gibt eine Reihe von Eisschelfen rund um die Küste der Antarktis; einige davon sind mehrere tausend Quadratkilometer groß. Von diesen können Tafeleisberge abbrechen, die ihren Namen der platten Oberfläche verdanken und gewaltige Dimensionen vielen hundert Quadratkilometern erreichen können – ein Vorgang, den es in der Antarktis gibt, seit dort große Gletschermassen existieren, also viele Millionen Jahre. Einiges deutet aber darauf hin, dass sich die Häufigkeit solcher Ereignisse derzeit erhöht, und einige kleinere Eisschelfe sind in vergangenen Jahren regelrecht kollabiert, d.h. mehr oder weniger vollständig in treibende Eisberge zerfallen. Auch das hat es in der Erdgeschichte nachgewiesenermaßen schon früher gegeben. Dennoch macht sich die derzeitige globale Klimaänderung in Teilen der Antarktis besonders stark bemerkbar: im Bereich der nördlichen Antarktischen Halbinsel sind bereits Anstiege der Temperatur-Mittelwerte von mehr als 2°C gemessen worden, stellenweise sogar mehr! Damit gehen Veränderungen der regionalen Ökologie einher wie Verlust von Gletschereis und Meereis sowie Verschiebungen der Ausbreitungsgebiete verschiedener Tierarten. Das Thema ist brisant und besorgniserregend, kann hier mangels Platz aber nicht weiter verfolgt werden. Wer interessiert ist, findet auf den Internetseiten von Forschungsinstituten wie dem Alfred-Wegener-Institut (kurz AWI, www.awi.de-bremerhaven) reichlich guten Lesestoff; die immer stark vereinfachenden, oft sachlich schwachen Darstellungen in der Presse sollten mit Vorsicht genossen werden.
Forschungsinstitute wie eben das AWI sind in der Antarktis reichlich vertreten. Dies liegt an der hohen Bedeutung, den die Antarktis für das globale Klimasystem hat; an der noch kurzen Erforschungsgeschichte der Region, die immer noch Raum für Grundlagenforschung lässt und nicht zuletzt daran, dass permanente Forschungsaktivitäten von vielen Regierungen politisch gewollt sind. Das hat wiederum mit einigen Regelungen des Antarktis-Vertrages zu tun (siehe unten). Der politische Aspekt der Antarktis-Forschung wird deutlich, wenn man sich ansieht, wie dicht sich die Stationen in manchen Regionen drängen, etwa in den Süd-Shetland-Inseln. Diese Dichte kann wissenschaftlich kaum sinnvoll begründet werden. Auf der anderen Seite stellen komplexe und brisante Fragen, wie etwa die Stabilität antarktischer Eismassen bei steigenden Temperaturen, die internationale Forschergemeinde immer noch vor Herausforderungen – und die Wichtigkeit solcher Fragen für die Weltbevölkerung ist angesichts eines Meeresspiegelanstiegs von über 60 Metern im Falle eines kompletten Abschmelzens der antarktischen Inlandeises kaum zu überschätzen.
Geographische Entdeckungen sind in der Antarktis nicht mehr zu machen, was fast erstaunlich ist, wenn man sich ihre kurze Geschichte vor Augen führt. Zwar haben schon die alten Griechen aus philosophischen Gründen die Existenz eines Süd-Kontinentes postuliert und diesem sogar den Namen gegeben, "Anti-Arctos", da sich dieser gegenüber ("anti") dem Bären ("Arctos") befinden musste, der am nördlichen Sternhimmel sichtbar ist. Der berühmte Kapitän Cook umsegelte die Antarktis während seiner zweiten Reise (1772-75) und kam ihr mitunter sogar auf Sichtweite nahe, wobei der mysteriöse Kontinent sich allerdings in Wolken und Nebel versteckte. Der Kontinent wurde erst im Südsommer 1819/20 erstmalig gesichtet – es gibt mehrere Anwärter auf die Ehre dieser Entdeckung, ein aussichtsreicher Kandidat ist der russische Entdeckungsreisende Fabian Gottlieb von Bellingshausen, der einer deutschen Familie aus Estland entstammte.
Im frühen 19. Jahrhundert suchten Robbenschläger verschiedene sub-antarktische Inseln heim und brachten die Pelzrobben dort bis an den Rand der Ausrottung. Auf die Erfindung der modernen Harpune mit Kanone und explosivem Kopf entwickelte sich der industrielle Walfang und richtete unter den Meeressäugern rund um die Antarktis gewaltige Gemetzel an, von denen sich die Bestände bis heute nicht erholt haben, im Gegensatz zu den Pelzrobben, von denen es heute wieder sehr viele gibt.
Berühmt sind die Entdeckungsreisen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, vor allem das Wettrennen zum Südpol zwischen dem Norweger Amundsen und dem Engländer Scott, bei dem Amundsen mit vier weiteren Norwegern am 14. Dezember 1911 den Pol als erster erreichte. Letzterer verlor nicht nur das Rennen, sondern sein Leben und das seiner vier Begleiter gleich dazu. Es gab eine ganze Reihe von dramatischen Expeditionen in diesem "heroischen" Zeitalter, in dem Schiffe aus Holz und Männer anscheinend aus Eisen waren und ihre Frauen daheim ließen; die erste Frau betrat erst 1935 die Antarktis.
Verschiedene Staaten belegten Teile der Antarktis im Laufe der folgenden Jahrzehnte mit Besitzansprüchen. Mit dem Antarktis-Vertrag gelang der Weltgemeinschaft 1959 ein echter Coup: dieser stellte die friedliche Nutzung der Antarktis im Dienste der Wissenschaft sicher, verbot die Einrichtung von Miltäranlagen ebenso wie das Einlagern von Atommüll oder das Testen von Kernwaffen, garantierte den freien Zugang zu allen Teilen der Antarktis für alle beteiligten Staaten und legte sämtliche existierenden Besitzansprüche auf Eis. Der Vertrag trat 1961 in Kraft und wurde seitdem von den Mitgliedsstaaten dieses Vertragssystems mehrfach weiterentwickelt. So kam später ein Umweltprotokoll hinzu, das etwa die Nutzung mineralischer Rohstoffe verbietet. Um aktives Stimmrecht zu haben, müssen Regierungen permanente Forschungsaktivitäten vor Ort vorweisen können, was die große Anzahl der Stationen erklärt; eine Bestimmung, die sich aus Sicht des Umweltschutzes zunehmend als kontraproduktiv erweist: eisfreie, flache Küstengebiete sind rar und werden als Brutplätze nicht besser, wenn dort auf einmal Häuser stehen, mit denen permanente Aktivität verknüpft ist. Dass sich das Auge einer kritischen Weltöffentlichkeit auf diese Stationen gerichtet hat, ist unter anderem Greenpeace zu verdanken; nach entsprechenden Kampagnen verschwanden beispielsweise nachlässig angelegte Mülldeponien.
Die regelmäßige Präsenz einer gewissen Öffentlichkeit wird mittlerweile durch den Tourismus fortgeführt, auch wenn dies natürlich ein Nebeneffekt ist. Zudem stehen Reisen in die Antarktis nur einem zahlungskräftigen Publikum offen. Es gibt keine regulären Reisemöglichkeiten in die Antarktis wie etwa Linienflüge oder Fähren, so dass Kreuzfahrtschiffe und, in gewissem Rahmen, Charterflüge sowie hochseetüchtige Yachten die einzigen Möglichkeiten sind, um den Süd-Kontinent zu besuchen. Der weite, oft stürmische Süd-Ozean, der die gesamte Antarktis umgibt, erweist sich als wirkungsvolles Hindernis.
Kreuzfahrtschiffe inklusive der kleinen Expeditionsschiffe, die ein recht intensives Programm anbieten, fahren zwischen Ende November und Anfang März in die Antarktis. Die meisten fahren von Südamerika zur Antarktischen Halbinsel, schon da der Süd-Ozean, dort Drake-Passage genannt, dort am schmalsten ist. Für die Überfahrt sind trotzdem meistens 2 Tage fällig, je nach Wetter und Fahrtgeschwindigkeit, die oft mit Seekrankheit verbunden sind. Bei einer 10-tägigen Reise bleiben somit etwa 5-6 Tage übrig, die tatsächlich in der Antarktis verbracht werden; ein Vergnügen, für das einige tausend Euro fällig sind. Dafür warten fantastische Landschaften im Bereich der Antarktischen Halbinsel und die entsprechende Tierwelt: möglich sind Adelie-, Esels- und Kehlstreifpinguine, sowie Wale, Robben und einige Vogelarten. Nur gelegentlich fahren Schiffe bis zum Südpolarkreis, der touristisch über das reine "dort-gewesen-sein" hinaus jedoch nicht so viel zu bieten hat.
Eine empfehlenswerte Variante einer etwa 10-tägigen Reise zur Antarktischen Halbinsel ist die längere Runde, die auch die Falkland-Insel und Südgeorgien mit seiner spektakulären Tierwelt beinhaltet (19-20 Tage und entsprechend teurer).
Wer die berühmten Kaiserpinguine sehen will, muss noch mehr hinblättern und mit einem Eisbrecher tief ins Weddell-Meer fahren oder aber von Neuseeland aus ins Ross-Meer. Dort stehen auch einige historische Hütten legendärer Antarktis-Expeditionen sowie der berühmte Vulkan Mount Erebus, dem zu Füßen die US-amerikanische Station McMurdo liegt, die schon fast eine kleine Stadt ist. Von dort aus fliegen fast täglich Maschinen zum Südpol, wo die US-amerikanische Station Amundsen-Scott-Base gelegen ist. Diese Flüge stehen Touristen jedoch nicht offen. Wer zum Pol will, kann von Spezialveranstaltern organisierte Flüge buchen, die von Südamerika aus zunächst zu einem Basislager südlich des Weddell-Meers liegen. Dieses dient nicht nur Poltouristen, sondern auch Bergsteigern als logistischer Stützpunkt, wenn es um das Besteigen des Mount Vinson dient, dem höchsten Berg der Antarktis (4892 Meter) – Unternehmungen für ein äußerst finanzkräftiges Publikum.
Eine "Stippvisite" in die Antarktis ist aufgrund der Distanzen praktisch nicht möglich. "Überflüge" etwa von Neuseeland ohne Landungen bieten nichts, was über einen Blick aus dem Fenster und ein Gläschen Sekt hinausgeht. Bei der chilenischen Station Frei auf King George Island (Süd Shetland Inseln) gibt es ein Flugfeld, auf dem gelegentlich Flugzeuge mit Touristen aus Chile landen; in einem "Hotel", das zur Station gehört, kann man sogar übernachten. Dieses ebenfalls teure Vergnügen ist allerdings kaum attraktiv: die Landschaft auf diesem Teil von King George Island ist flach-felsig, ziemlich mondartig trüb und hat nur wenig mit dem gemein, was man eigentlich in der Antarktis sehen will. Tiere gibt es dort auch kaum, dafür aber verschiedene Stationen: die unmittelbaren Nachbarn sind die Russen, aber auch zu den Chinesen und Argentiniern ist es nicht weit.
Antarktis-Forschung: gestern ...
"Base A" (Port Lockroy)
1944 etabliert,
seit 1996 ein Museum
... und heute
Die ukrainische Forschungsstation Vernadska, bis 1996 Faraday Station (UK)
Wer unabhängig in die Antarktis reisen will, braucht ein eigenes Boot. Tatsächlich tauchen in jüngerer Vergangenheit verstärkt private Yachten im Bereich der Antarktischen Halbinsel auf.
Der gesamte Antarktis-Tourismus ist stark reguliert. Jeder Besuch muss vorher genehmigt werden, wofür die Behörden des Herkunftslandes der Touristen zuständig sind (in Deutschland das Umweltbundesamt). In der Praxis kommt kaum ein Tourist mit der umfangreichen Bürokratie in Berührung, da dies bei organisierten Reisen der Veranstalter übernimmt. In der Praxis ist es mit der Kontrolle nicht ganz so weit her, da es keinerlei Polizei oder Küstenwache gibt, welche über die Einhaltung der Bestimmungen wachen könnte. Die übergeordnet zuständige "Behörde" ist das System des Antarktis-Vertrages; dieses überhaupt erst seit kurzem über eine Adresse (ein Sekretariat in Buenos Aires), aber nicht über einen sichtbaren, langen Arm vor Ort in der Antarktis. Wenn es Probleme durch Tourismus gibt, liegen diese somit eher in der mangelnden Durchsetzung vorhandener Regelwerke begründet als in mangelnden Bestimmungen. Tatsächlich ist der größte Teil der Antarktis, die biologisch wichtigen Küsten mit eingeschlossen, für Touristen ohnehin kaum oder gar nicht zugänglich; aus geographischen und rechtlichen Gründen.
Studien haben bislang keine negativen ökologischen Effekte durch Touristen nachgewiesen; solange Gruppen gut kontrolliert werden, sind Störungen etwa auf brütende Pinguine begrenzt. Die von der Tourismus-Industrie gegründete Organisation IAATO (International Association of Antarctic Tour Operators, www.iaato.org), der fast alle Anbieter angeschlossen sind, betreibt eine recht wirksame Selbstkontrolle. Grund zur Sorge besteht mehr aufgrund des Risikos von Verschmutzungen im Falle einer Havarie. Bislang ist die Antarktis aber von größeren Ölpesten verschont geblieben.
Am Anfang der meisten Antarktis-Reisen steht die Querung des oft stürmischen Südozeans.
Wer in die Antarktis will, muss sich über die erwähnten Hindernisse im Klaren sein: Preis, Abgelegenheit und damit verbundene Unannehmlichkeiten wie lange Passage auf offener See und ein recht kurzer Aufenthalt in der Antarktis, keine Möglichkeit individueller Aktivitäten. Wie unterwegs das Wetter ist, weiß vorher keiner. Bei schlechtem Wetter auf offener See ist der Aufenthalt an Bord eines Schiffes nicht gerade angenehm, und starker Wind vor Ort kann geplante Ausflüge unmöglich machen. Wer dennoch in die Antarktis reist, wird mit spektakulären Natureindrücken belohnt, die nach wie vor nur einer sehr kleinen Anzahl von Menschen zugänglich sind. Der Autor begleitet seit Jahren Gruppen auf kleinen Schiffen in die Antarktis und erlebt immer wieder flächendeckende Begeisterung bei jenen, die sich auf den weiten Weg gemacht haben.
Wer die Antarktis intensiv erleben will, sollte ein möglichst kleines Schiff wählen; es gibt eine Handvoll Schiffe, die nur etwa 50 Passagiere nehmen. Hauptreisezeiten sind Dezember bis Mitte Februar, aber auch die Randsaison (November und März) hat noch einiges zu bieten. So etwas wie "die beste Reisezeit" gibt es innerhalb dieser Auswahl nicht, wobei sich die Saison in Bezug auf die Brutsituation der Pinguine, Eis und Schnee schnell entwickelt. Spezialveranstalter bieten übrigens auch Reisen für erfahrene Taucher oder Kajakfahrer an.
Und ... genügend Tabletten gegen Seekrankheit mitnehmen!