Grönland (Kalaallit Nunaat) – Das Land der Menschen

Basiswissen Grönland
(RS) Grönland ist die größte Insel der Erde und doch haben viele keine oder nur eine sehr ungenaue Vorstellung von diesem faszinierenden Land. Geologisch gehört es zu Nordamerika und ist daher kein eigenständiger Kontinent, trotz seiner immensen Größe von 2,1 Millionen Quadratkilometern. Von dieser Fläche sind über 80 % mit Gletschern bedeckt, unter denen das grönländische Inlandeis das weitaus größte ist – die größte Eismasse der Erde nach der Antarktis. Tatsächlich ist die Natur die touristische Hauptattraktion.
Kalaallit Nunaat – Grönland(c) RS
Die Geschichte reicht etliche tausend Jahre zurück: die ersten Bewohner sind vor 6 500 bis 4 500 Jahren von Nordost-Kanada aus eingewandert. Die dazwischen liegende Meerenge ist nur etwa 20 km breit und friert im Winter zu, kann also zu Fuß passiert werden.
Diese frühen Inuit verschwanden später spurlos. Spätere Siedler kamen und gingen auf gleichem Wege, bis etwa im 11. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die "Thule-Inuit" aus Kanada einwanderten. Diese müssen auch den Wikingern begegnet sein, die zu dieser Zeit vorübergehend in Südwest-Grönland siedelten. Die Wikinger verschwanden, die Thule-Inuit blieben und wurden zu den Vorfahren der heutigen Bevölkerung, der Grönländer. Da mit Begriffen wie "Inuit" ("Mensch", Singular: Inuk) oder gar "Eskimo" (eine eher abfällige Bezeichnung) eine bestimmte, eher primitive Kultur und Lebensweise verbunden ist, die mit der Moderne nur sehr wenig gemein hat, sollte man die in Grönland lebenden Menschen auch "Grönländer" nennen.
Im 18. und 19. Jahrhundert wurde Grönland zur zeitweise abgeschotteten dänischen Kolonie, erwarb jedoch im 20. Jahrhundert schrittweise weitgehende Unabhängigkeit. Dänemark vertritt Grönland noch in außen- und sicherheitspolitischen Fragen, was im Zusammenhang mit US-amerikanischen Luftwaffenstationen (Thule Air Base in Nordwestgrönland) mitunter zu Konflikten geführt hat. Heute leben knapp 60 000 Menschen in Grönland, die meisten davon im Südwesten, vor allem in der Hauptstadt Nuuk, wo Regierung und Parlament über die Geschicke des Landes walten, das eigentlich "Kalaallit Nunaat" heißt, "Das Land der Menschen". Grönland war auch mal in der EU, ist allerdings wieder ausgetreten. Übrigens, Grönland ist zwar nicht Mitglied in der FIFA, hat aber dennoch eine Nationalmannschaft, die politisch Aufsehen erregte, als sie 2001 in Kopenhagen mit 4:1 gegen die Auswahl aus Tibet gewann.
Hundeschlitten (c) RS
Eisberge (c) RS
Tundra-Vegetation (Wollgras) (c) RS
Noch mehr Eisberge (c) RS
Grönland ist über (recht teure) Linienflüge von Kopenhagen nach Westgrönland oder von Island ins dünn besiedelte Ostgrönland zu erreichen. In Westgrönland gibt es ein relativ (!) dichtes Siedlungsnetz, aber keine Straßen zwischen den Orten, so dass jeglicher Verkehr mit Fähren oder mittels des zunehmenden Luftverkehrs abgewickelt wird. Diese Infrastruktur reicht grundsätzlich aus, um in wichtigen Gebieten mobil zu sein, allerdings ist Transport teuer und Kapazitäten oft ausgebucht, so dass sorgfältige Planung wichtig ist. Die meisten Orte verfügen heute über Hotels und/oder Gästehäuser sowie einheitlich gestaltete Supermärkte, Mobiltelefonnetz und Internet. Krankenhäuser und Schulen gibt es in größeren Orten, Nuuk verfügt über eine kleine Universität, und wem das Angebot nicht reicht, der/die geht nach Kopenhagen.
Grönland ist schon vor Jahren vom Kreuzfahrttourismus entdeckt worden, aber der Individualtourismus entwickelt sich zusehends. In vielen Orten gibt es lokale Veranstalter, die zumindest Tagestouren und manchmal größere Unternehmungen anbieten, aber Wander-Erfahrene können auch auf eigene Faust losziehen und tagelang durch die weglose Wildnis ziehen. In Nordgrönland und Ostgrönland ist zu beachten, dass man auf Eisbären stoßen kann, die möglicherweise hungrig oder schlecht gelaunt sind und dann lebensgefährlich sein können, in diesen Gegenden müssen Touristen Waffen (großkalibriges Jagdgewehr) mit sich führen. In Südwestgrönland spielt dies keine Rolle, und die Wildnis beginnt oft direkt am Flughafen bzw. hinter dem Ort. Dort sind die aggressivsten Tiere sicherlich die Mücken, die im Hochsommer (Juni-Anfang August) eine echte Plage sein können.
Auch sonst hat Grönland eine reiche, subarktisch bis hocharktische Tierwelt, von Seevogelkolonien über Wale, Robben und Walrosse bis hin zu Eisbären. Allerdings sollte man wissen, dass sich dieses an sich reiche Tierleben auf gewaltigen Flächen verteilt und die meisten Tierarten zudem durch Jagd kräftig dezimiert wurden, so dass die Chancen für Tierbeobachtungen insgesamt ziemlich mäßig sind. Vor allem Moschusochsen lassen sich aber doch ganz gut beobachten, z.B. in der Gegend von Søndre Strømfjord – mit respektvollem Abstand: diese urzeitlichen Viehcher können durchaus auch einmal aggressiv werden.
Moschusochsen (c) RS
Eisberg bei Ilulissat (Diskobucht) (c) RS
Ummannaq, Nordwestgrönland (c) RS
Zwergweidenvegetation (c) RS
Wer nach Grönland fährt, will sicherlich Eisberge sehen, die an großen Gletschern am Rande des Inlandeises abbrechen ("kalben") und langsam durch die Fjorde driften. Am bekanntesten ist Ilulissat in der Disko-Bucht. Ilulissat nennt sich selbst die "Eisberg-Hauptstadt" und das zu Recht: die Zahl und Größe der Eisberge, die ständig durch den nahe gelegenen Fjord driften, ist unglaublich. Sowohl die Gegend um Ilulissat als auch die nahe gelegene Disko-Insel bieten schöne Trekkingmöglichkeiten, wie auch die Umgebung von Kangerlussuaq (Søndre Strømfjord), dem internationalen Flughafen in Westgrönland.
Weiter südlich gibt es ebenfalls spektakuläre Berg- und Fjordlandschaften und schöne Eisberge, zusätzlich aber auch die größeren Siedlungen inklusive der Hauptstadt Nuuk und als zusätzliche Attraktion die Ruinen der alten Wikinger-Siedlungen. Ganz im Süden findet man auch die einzigen "Wälder" Grönlands, in denen die Birken 7-8 Meter groß werden. Ansonsten gibt es Tundra, in denen die Vegetation maximal etwa kniehoch ist, dafür werden die Farben im Spätsommer wunderbar gelbrot.
Wer im Sommer nach Grönland fährt, wird kaum Minusgrade erleben, aber es kann windig und regnerisch sein. Manche Gegenden haben allerdings ein erstaunlich sommerlich-stabiles Sommerwetter, das die Temperaturen im Zelt oder unterm Pullover nahezu tropisch werden lässt. Im Winter bis Februar können die Temperaturen knackig-kalt unter Null werden. Im März/April nimmt die Häufigkeit starker Fröste ab und die Nächte werden zusehends kürzer, so dass dies die ideale Zeit für Wintertouren mit Ski oder Hundeschlitten ist.
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