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Reisebericht von Daniela aus Neuseeland.

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Auswandern nach Neuseeland

neuseeland flagge

(Erfahrungsbericht: Text und Fotos von Daniela Kilian)

(DK) Hätte mir vor 4 Jahren irgendjemand erzählt das ich in Neuseeland wurzeln schlagen werde, so hätte ich ihn buchstäblich für einen „Märchenerzähler“ abgestempelt.
 
Neben den USA, Kanada und Australien gehört Neuseeland zu den klassischen Einwanderungsländern, die sich in den letzten Jahren einer ansteigenden Zahl von Bewerbungen für die raren Plätze erfreuen dürfen. Neuseeland ist seit langem das Wunschziel europäischer und insbesondere deutscher Auswanderer, die der täglichen Hektik und Enge entfliehen wollen, jedoch nicht auf ein starkes und sicheres Wirtschafts- und Gesundheitssystem verzichten wollen. Weitere Gründe für das steigende Interesse an Neuseeland bilden unter anderem die vielseitigen beruflichen und privaten Entfaltungsmöglichkeiten, die europäisch-pazifische Lebensart, das gemäßigte Klima mit durchschnittlich 2200 Sonnenstunden pro Jahr und natürlich die atemberaubende Vielfalt und Schönheit der Natur. Neuseeland hat nämlich landschaftlich unheimlich viel zu bieten: Von tropischen Regenwäldern bis erloschenen oder noch tätigen Vulkanen, meterhoch speiende Geysire und malerische Fjorde, oder aber einsame Sandstrände, bizarre Berge, Schluchten und Gletscher – die Abwechslung ist spektakulär!
 
karte von neuseeland
 
Das perfekte Land zu finden ist meiner Meinung nach unmöglich, denn jedes Land hat seine Vor- und Nachteile. Es stellt sich nur die Frage was für den individuellen Menschen wichtig ist, welchen Zielen und Wünschen man nachgeht, es richtig abzuwägen und dann eine Entscheidung zu treffen.
 
Ich persönlich hatte nie geplant alle Zelte in Deutschland abzubrechen und bewusst nach Neuseeland auszuwandern. Sinn und Zweck meines geplanten einjährigen Aufenthaltes bestand darin, Auslandserfahrung zu sammeln, die Englische Sprache zu verbessern und natürlich das Abenteuer und der Spaß. Das Land schien mir sehr passend, da ich zuvor schon ein Jahr in Australien verbracht hatte und in Kanada das beliebte „Work and Holiday“ Visum, damals nur für Studenten vergeben wurde. So landete ich im Januar 2004 das erste Mal in Neuseeland. Die ersten zwei Monate reiste ich mit einer guten Freundin quer durch das gesamte Land. Wir leisteten uns einen Kleinbus den wir liebevoll „Olga“ nannten und waren mit einem Gasherd, einem Doppelbett und sämtlichen Utensilien bestens ausgestattet.
 
daniela in neuseeland
 
Bild: Der Kleinbus Olga brachte uns quer durch Neuseeland (C) DK
 
So reisten und lebten wir die folgenden zwei Monate und erleben viele spannende und abenteuerliche Dinge – positive als auch negative. Unsere Schlafplätze variierten von romantischen, abgelegenen Stränden auf der Südinsel, bis zu Parkplätzen unter vielbefahrenen Brücken oder neben Eisenbahnschienen. Eines Tages, als wir nach einer langen Fahrt, ziemlich müde und schlapp, einen Rastplatz mit Parkmöglichkeiten suchten und in einem kleinen Örtchen an einer Seitenstraße fündig wurden, bemerkten wir am nächsten Morgen dass wir direkt vor einer Kirche, praktisch auf dem „Präsentierteller“ uns niedergelassen hatten. Unglücklicherweise war obendrein, an diesem schönen sonnigen Morgen, auch noch Sonntag und als wir gerade dabei waren uns für den Tag frisch zu machen und Zähne zu putzen, kamen alle Gläubigen aus der Kirche getrottet und beobachteten uns skeptisch. Ziemlich lautlos und unscheinbar machten wir uns schließlich gemächlich aus dem Staub.
 
Nach einigen Monaten, als es finanziell dem Ende zuging, machte ich mich auf die Suche nach Arbeit. Nachdem ich mich mit einigen Einheimischen unterhalten hatte und mir gesagt wurde dass sämtliche Handwerksberufe auf der sogenannten „Shortage list“ stehen,  standen die Chancen sehr gut für mich und nach kurzer Zeit wurde ich in meiner Branche als Zahntechnikerin fündig.
 
Arbeiten in Neuseeland
 
Bild: Auch in Neuseeland gehört Arbeiten zum Leben dazu (C) DK
 
Die Einwanderungsbehörde Neuseelands veröffentlicht Listen sämtlicher Berufe die dringend gesucht werden und somit wird Leuten mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung das Einwandern bzw. Beantragen eines Arbeitsvisums erleichtert. Die Listen und das gesamte Spektrum des Einwanderungsrechts unterliegen einem permanenten Wechsel auf Grund sich ständig ändernder politischer und wirtschaftlicher Einflüsse. Deshalb ist es besonders wichtig auf dem neuesten Stand zu sein bevor man sich für eines der Visa bewirbt.
 
Wer die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung (permanent residence) beantragen möchte, sollte sich vorab genau erkundigen wie die jeweiligen Chancen für den Einzelnen stehen. Dies erfolgt nach einem sogenannten Punktesystem in dem man mindestens 100 Punkte erreichen muss und für verschiedene Kriterien vergeben werden. So spielen zum Beispiel das Alter, die Berufsausbildung sowie Berufserfahrung, Qualifikationen oder der Nachweis eines Jobangebotes in Neuseeland eine wichtige Rolle. Außerdem werden Sprachkenntnisse, die allgemeine körperliche Verfassung durch einen Gesundheitsnachweis und Eintragungen im Polizeiregister überprüft. Eine Anzahl von Berufen bedarf der vorherigen Registrierung bzw. Zulassung durch die entsprechende Behörde, bevor ein Antrag auf Permanent Residence bzw. ein Arbeitsvisum gestellt werden kann. So musste auch ich mich als Zahntechnikerin dieser Registrierung unterziehen und nochmals eine schriftliche und praktische Prüfung ablegen um zu beweisen dass der deutsche Standard gleich dem neuseeländischen entspricht. Dies ist zeit- und kostenaufwendig, aber in einigen Berufen unumgänglich.
 
Nun, all dies mag für den Laien auf den ersten Blick sehr kompliziert erscheinen, doch hat man sich erst einmal ein wenig damit beschäftigt und mit einigen Leuten, die diese Erfahrung schon gemacht haben, einige Tipps eingeholt, so erscheint es nur noch halb so komplex. Wichtig ist, dass man sich selbst nichts vormacht und eventuellen Hürden, Barrieren, Schwierigkeiten und Herausforderungen von vorn herein bewusst ist und sie auch versucht zu meistern. Umso mehr man sich vorab informiert und vorbereitet, desto weniger besteht die Möglichkeit enttäuscht zu werden.
 
Südinsel in Neuseeland 
 
Bild: Eine Landschaft auf der Südinsel Neuseelands. Schneebedeckte Berge und Fjorde prägen hier die Landschaft (C) DK
 
Ich arbeitete mich in meinen Bereich schnell ein, fand Freunde, darunter auch Deutsche und fühlte mich sehr wohl. Unterkunft hatte ich in einem Studentenwohnheim in Auckland gefunden und nach einiger Zeit war ich sogar mit einem Neuseeländer liiert. Nach drei Monaten Arbeit im Dental-Labor, rückte der Tag meiner Abreise zurück nach Deutschland immer näher, denn ich war nach wie vor unter der „Work and Holiday“ Kategorie in Neuseeland, mit dem man bekannter weise nur ein Jahr die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis bekommt. Was nun, stellte sich die Frage?
 
Mein derzeitiger Arbeitgeber bot an, mein „Sponsor“ zu werden, das heißt mir ein 3-jähriges Arbeitsvisum unter der „skilled-migrant Kategorie“ zu besorgen. Das Angebot war sehr verlockend und nach wochenlangen, schlaflosen Nächten, Überlegungen und Abwägungen; denn AUSWANDERN hatte ich eigentlich nicht geplant, entschied ich mich dann letztendlich FÜR das Visum. Die Zeit danach war keineswegs einfach, denn ich musste aus gewissen Gründen meine Arbeitsstelle wechseln und mir wurde bewusst, dass ich mich am anderen Ende der Welt, weit weg von meiner Familie und langjährigen Freunden, niederlassen würde.
 
Da ich nie bewusst und langfristig im Voraus geplant hatte auszuwandern, hatte ich mich auch nie mit den Vor- und Nachteilen Deutschlands bzw. Neuseelands auseinandergesetzt Ich möchte an dieser Stelle keineswegs davon sprechen einen Fehler begangen zu haben, denn ich liebe das Land und die Mentalität, doch gerade wenn man mit einer Familie auswandert, sollte man sich mit solchen Dingen beschäftigen und sich zum Beispiel fragen ob man mit dem Gehalt, das man im zukünftigen Heimatland verdient, auch eine Familie ernähren kann. Das ist übrigens ein durchaus nennenswerter Punkt, gerade für Neuseeland-Auswanderer. Wer nämlich ans andere Ende der Welt geht um dort Kariere zu machen, ist hier leider an der falschen Adresse. Die Gehälter sind im Durchschnitt geringer als in Deutschland und viele junge Neuseeländer verlassen das Land um im benachbarten Australien oder in England einen besser bezahlten Job zu bekommen. Die gute Nachricht: Die Lebenshaltungskosten sind im Allgemeinen mit denen in Deutschland vergleichbar oder liegen zum Teil sogar darunter. Wie ist das Bildungs- bzw. Schulsystem in der neuen Heimat? Manch einer möchte vielleicht in Immobilien investieren! Komme ich mit dem Klima zurecht, spreche ich ausreichend Englisch und wie viel Steuern zahle ich eigentlich? All dies sind Fragen die man berücksichtigen sollte.
 
Wer mehr zum Thema auswandern nach Neuseeland erfahren möchte kann dies unter www.neuseeland-news.co.nz, www.gotoNZ.de oder www.migrationbureau.de .
 
Ich liebe das Land, die Leute und die Mentalität der Kiwis und möchte hiermit alle dazu ermutigen die nach Neuseeland auswandern oder anderweitig ins Ausland gehen möchten. Auch wenn der Weg manchmal steinig und mühsam ist, da die Pläne leider nicht immer so laufen wie man sich das vorstellt, doch der Aufwand lohnt sich, denn ich habe eine 2.Heimat gefunden und kann jederzeit eine Wahl treffen an welchem Stückchen Erde ich gerne leben möchte. Diese Entscheidungsfreiheit gibt mir ein wenig Sicherheit und außerdem ein wunderbares Freiheitsgefühl.
 
Deshalb lasst euren Traum nicht einfach einen Traum sein, sondern lebt ihn! Nur Mut!
 
Nun möchte ich noch einige allgemeine und wissenswerte Dinge über Neuseeland erwähnen. Viele haben sicherlich schon einmal von dem berühmten „Ring of fire“ gehört, auch pazifischer Feuerring oder Feuergürtel genannt. Nun, aus diesem Ring versteht man einen Vulkangürtel, der den Pazifischen Ozean umgibt und rege Vulkantätigkeit umspannt nahezu die gesamte Pazifische Platte.
 
Die oberste Schicht der Erde – die Erdkruste – besteht aus vierzehn großen und zahlreichen kleineren Krustenplatten, wovon die Pazifische Platte die größte ist. Neuseeland befindet sich genau auf zwei solcher tektonischen Platten, nämlich der Pazifischen Platte und der Indisch-australischen Platte die sich ständig zueinander bewegen. Diese Tatsache übt einen großen Einfluss auf das Land aus und führt zu erhöhter vulkanischer Aktivität, Erdbeben und Verwerfungen. In der Gegend der „Bay of Plenty“ ist die Erdkruste dünn wie kaum anderswo auf der Welt, so dass hier geothermische Aktivitäten jeglicher Art anzutreffen sind.
 
Neuseeland Geysir
 
Bild: Neuseeland liegt im Ring of Fire und hat starke Erdaktivität (C) DK
 
Als ich im Juli 2005 auf einer Straußenfarm an der „Bay of Plenty“ arbeitete, durfte ich die Erfahrung eines kleineren Erdbebens miterleben. Bei einer Stärke von 5,3 auf der Richterskala wurde glücklicherweise niemand verletzt und auch keine Gebäude zerstört, da es in einem sehr dünn besiedelten Gebiet geschah. Kaum zu glauben aber wussten Sie dass unsere Erde täglich über einhundert Mal bebt? Allerdings sind das kleinere Beben mit einer Richterskala-Stärke von 3 und häufig auch in unbesiedelten Gebieten, weshalb die hohe Zahl an Beben nicht sonderlich auffällt.
 
Neuseeland ist mit einer Fläche von 268.112 km² etwas größer als die alten Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland. Mit Ihren zwei Hauptinseln und mehr als 700 kleineren Inseln, ist Neuseeland mehr als 8000 km von Südamerika und über 1600 km von Australien entfernt.
 
In Neuseeland entwickelte sich eine einzigartige Naturvielfalt wie es sie in keinen anderen Landflächen der Erde zu sehen gibt. Dies hat einen Grund: Die Entstehung des Landes begann vor ca. 150 Millionen Jahren mit der Trennung des südlichen Gondwana-Kontinents vom nördlichen Laurasia. Vor etwa 90 Millionen Jahren brach dieser Superkontinent auseinander und vor ca. 70- 80 Millionen Jahren löste sich Neuseeland von dieser Landmasse, bevor sich auch das heutige Australien von diesem Urkontinent loslöste. Seitdem konnte sich somit in Neuseeland eine von allen anderen Landflächen unabhängige Flora und Fauna entwickeln.
 
Am bekanntesten dürfte wohl der Kiwi sein, ein flugunfähiger, scheuer Nachtvogel, der einen überlangen, schmalen Schnabel besitzt und eher dicklich und plump wirkt. Der Kiwi, der übrigens den gleichen Namen trägt wie die Frucht, wurde zum inoffiziellen Nationalsymbol und in humorvoller Anspielung auf ihr Wappentier nennen sich die Neuseeländer selbst ebenfalls „Kiwis“. Der Kiwi-Vogel ist nachtaktiv und erst bei Dunkelheit stochern sie mit ihrem säbelartigen gekrümmten Schnabel nach Würmern, Larven und Beeren. Da der Kiwi weder schnell laufen, noch sich erfolgreich verteidigen kann, hat die Zahl stark abgenommen und sie stehen heute unter strengem Artenschutz.
 
Kiwi 
 
Der Kiwi ist nachtaktiv und das inoffizielle Nationalsymbol (C) DK
 
Ein weiterer Vogel, der in höheren Regionen der Südinsel beheimatet ist, ist der Bergpapagei oder Kea. Sein Gefieder ist überwiegend grün, die Unterseite der Flügel orangerot. Junge Keas sind immer zu Scherzen aufgelegt, jedoch stehen sie bei den Schafzüchtern in denkbar schlechtem Ruf. Es besteht kein Zweifel, dass er Schafe angreift und ihnen schwere Wunden zufügen kann. Diese Neigung, das Fleisch gefallener oder lebender Schafe zu fressen, scheint aber nur eine lokale Eigenschaft einiger weniger Keas zu sein. Ansonsten frisst er Insekten, Larven, Würmer und pflanzliche Stoffe. Der Kea gilt außerdem als der frechste Vogel Neuseelands. Sie dringen in Almhütten ein, plündern die Rucksäcke der Wanderer und hacken mit ihren kräftigen, scharfen Schnäbeln die Gummidichtungen der Autofenster heraus.
 
Kea 
 
Bild: Keas können ganz schön frech sein und haben auch schon manchen Rucksack geplündert (C) DK
 
Wie oben schon erwähnt, war Neuseeland Millionen Jahre isoliert, so dass sich eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt entwickeln konnte. So sind zum Beispiel ungefähr 75% der Blütenpflanzen, etwa 1600 verschiedene Arten, nur in Neuseeland heimisch. Nahezu 2000 Arten bilden die Flora Neuseelands. Darunter 200 verschiedene Farne, der bis zu 40m hohe Kauri, die Palmlilie die übrigens zu meinen Favoriten in Neuseeland gehören und nicht zu vergessen der „Pohutukawa“, oder Weihnachtsbaum genannt, denn er steht zur Weihnachtszeit mit seinen kräftig roten Blüten in voller Pracht. Die Jahreszeiten in Neuseeland sind im Vergleich der Länder auf der nördlichen Hemisphäre genau entgegensetzt. Während wir in Deutschland bei einer Tasse Glühwein vor dem warmen Kamin sitzen oder mit Stiefel und dicker Winterjacke durch den knirschenden Schnee stapfen, liegen die Neuseeländer im Bikini am Strand und genießen ein Eis.
 
Neuseeland – ein Land der Kontraste ist auf jeden Fall eine Reise wert. Mit der stets freundlichen und hilfsbereiten Lebensweise der Neuseeländer, wird der Urlaub zu einem wahren Genuss. Wenn Sie den Satz „G’day mate, how are you“(Hallo Kamerad, wie geht es dir) beherrschen, dass die Kiwis bei jeder Gelegenheit verwenden, kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Vielleicht entschließt sich der ein- oder andere auch ganz in Neuseeland zu bleiben.
 
(c) Daniela Kilian
 

Mehr über Neuseeland auch unter: Neuseeland