Spitzbergen (Svalbard) – zwischen Nordkap und Nordpol
Basiswissen Spitzbergen
(RS) Spitzbergen ist eine Insel in der Hoch-Arktis, auf halbem Wege zwischen dem nördlichen Ende Skandinaviens und dem Nordpol. Offiziell heißt die gesamte Inselgruppe "Svalbard", die Hauptinsel ist Spitzbergen. Svalbard hat sogar eine eigene TLD (Internetendung): sj. Diese wird aber nicht genutzt, stattdessen ist .no (Norwegen) üblich.
Die Inselgruppe Svalbard mit den Hauptinseln und Siedlungen
(B = Barentsburg, L = Longyearbyen, N = Ny Ålesund, S = Sveagruva)
(c) RS
Svalbard hat eine Landfläche von gut 62 000 km2, was etwa der Größe Lettlands entspricht. 1596 von dem holländischen Seefahrer Willem Barents entdeckt (eventuell schon früher von Wikingern oder russischen Seefahrern), war Spitzbergen über Jahrhunderte hinweg Niemandsland, das zeitweise mehr oder weniger intensiv von Walfängern (17. Jahrhundert), Trappern (ab 18. Jahrhundert) genutzt wurde. Im frühen 20. Jahrhundert setzte ein fast goldrausch-artiger Bergbau-Boom ein, nachdem Vorkommen von Kohle und anderen Mineralien entdeckt worden waren. Einzig die Kohle erwies sich unter gewissen Bedingungen als halbwegs wirtschaftlich. 1925 trat der Spitzbergen-Vertrag in Kraft, der die Inselgruppe norwegischer Souveranität unterstellte, bald darauf wurde der vorher nicht benutzte Name "Svalbard" offiziell eingeführt. Andere Nationen, die diesen Vertrag unterschrieben, haben jedoch Nutzungsrechte, die aber nur von Russland in nennenswertem Umfang in Anspruch genommen werden: in der russischen Kohlebergbausiedlung Barentsburg leben heute etwa 500 Menschen.
Der norwegische Kohlebergbau konzentriert sich heute weitgehend auf Sveagruva, in Ny Ålesund wird ausschließlich Forschung betrieben. Die wichtigste norwegische Siedlung ist Longyearbyen, wo neben der Verwaltung (Sysselmannen = Governeur) allerhand Infrastruktur angesiedelt sind: neben einem kleinen Flughafen und Hafen gibt es einige Läden, Hotels und Campingplatz, Kirche, Kindergärten, Schule und sogar eine kleine Universität. In Longyearbyen leben etwa 1 800 Menschen, die meisten davon Norweger.
Durch fast tägliche Linienflüge von Norwegen ist Spitzbergen leicht erreichbar. Longyearbyen bietet Möglichkeiten, sich mehrere Tage mit verschiedenen Tagestouren (individuell oder organisiert) zu beschäftigen, ist aber landschaftlich nicht gerade der reizvollste Teil Spitzbergens. Wenn man mehr sehen will, muss man entweder über einen dicken Geldbeutel verfügen oder aber sorgfältig vorbereitet sein und Wildnis-Erfahrung mitbringen: Außerhalb der Siedlungen gibt es keinerlei Infrastruktur, keine Straßen oder Wege, stattdessen sumpfige Tundra, reißende Schmelzwasserflüsse und viele große Gletscher mit schönen Spalten. Zudem muss überall – auch im Nahbereich direkt außerhalb der Siedlungen – mit Eisbären gerechnet werden, die gefährlich sind. Daher muss jede/r außerhalb der Orte ein großkalibriges Gewehr mitführen. Waffen und Munition kann man in Longyearbyen leihen, aber umgehen können muss man damit schon selbst. Wer wandern will, muss zusätzlich zur Zelt- und Wanderausrüstung sowie Verpflegung das Gewehr mitschleppen, so dass man bei mehrtägigen Touren schnell in Richtung 30 kg kommt. Kommerzielle Angebote für Touristen reichen von bequemen Tagestouren bis hin zu längeren, anspruchsvollen (und teuren) Expeditionen in die abgelegeneren Regionen.
Rentier auf der Tundra Spitzbergens (c) RS
Eisbär im Treibeis (c) RS
Gletscher (c) RS

Longyearbyen (c) RS
Hauptreisezeiten sind der Sommer (Ende Juli-Anfang September), der sich für Schiffsreisen und zum Wandern anbietet. Das Frühjahr (Ende Februar-Anfang Mai) lädt zu Skiwanderungen, Hundeschlittenfahrten oder Motorschlittentouren ein. In der Polarnacht (ca. 20. Oktober bis 20. Februar) lässt sich die Sonne gar nicht blicken, dafür scheint sie von 20. April bis 20. August rund um die Uhr. Im Sommer sind die Temperaturen recht konstant zwischen 2 und 10 °C, es kann windig und feucht sein oder still und sonnig, das Wetter ist immer für eine schnelle Überraschung gut, die dann erfreulich sein kann oder auch nicht.
Viele Touristen lockt sicher der Wunsch, einen Eisbären zu sehen, nach Spitzbergen. Eisbärensichtungen sind durchaus möglich und bei mehrtägigen Reisen in die abgelegenen Regionen (Norden oder Osten der Inselgruppe) sogar wahrscheinlich. Darüber hinaus hat Spitzbergen aber noch viel mehr zu bieten: trainierte Wanderer können tagelang durch wunderbare Wildnis laufen, ohne auf Menschen zu treffen. Die landschaftliche Vielfalt ist atemberaubend und zugleich wunderschön und lässt sich bequem erleben, z.B. an Bord eines Schiffes. Fast zwei Drittel von Svalbard sind von Gletschern bedeckt! Hier macht sich allerdings der Klimawandel deutlich bemerkbar: die Eismassen, sowohl an Land (Gletscher) als auch auf dem Meer (Packeis) nehmen zur Zeit sichtbar ab.
Individualreisende sollten sich vor einem Besuch intensiv mit diesem exotischen Zielgebiet auseinandersetzen. Dazu gehören auch die strenger werdenden Schutzvorschriften (siehe Sysselmannen, www.sysselmannen.no).