
Unser Norwegen-Urlaub 2004 in er Region Vestfold und Oslo.

(EM) Als wir 2004 zum ersten Mal nach Norwegen gereist sind, haben wir schon eher eine ungewöhnliche Reise gemacht. Aber fangen wir doch am Anfang an. Im Winter hatten wir uns überlegt, nach Skandinavien zu reisen. Und da ich bereits vorher in Finnland, Schweden und Dänemark gewesen war, reizte mich Norwegen am ehesten. Meine Frau war ebenfalls vom Reiseziel Norwegen begeistert. Tiefe und imposante Fjorde, landschaftlich spektakulär eingebettet in eine eiszeitlich geformte Landschaft mit klarem Wasser und Wäldern.

Also bemühte ich das Internet und fand online ein sehr günstiges Ferienhaus für 2 Wochen. Es stand in der Region Vestfold am Oslofjord. Da es nur die Hälfte vom Katalogpreis kostete und sehr nett aussah, schlug ich direkt zu. Eine günstige Fähre war schnell gefunden und so freuten wir uns auf einen schönen Urlaub im Mai. Nun begannen wir mit der Planung und mussten allerdings sehr schnell feststellen, dass wir sehr weit von der Fjordregion untergebracht waren. Was zunächst recht nah schien, wurde bei der konkreten Betrachtung zu einer halben Weltreise. Wie wir auch rechneten, wir konnten in einer Tagestour die spektakulären Fjorde nicht erreichen. Selbst der relativ naghe Lysefjord war noch zu weit entfernt. Norwegen ist wirklich größer als man glaubt, seine Straßen schlängeln sich dazu noch durch die Berge und das streng überwachte Tempolimit tut sein übriges. Somit mussten wir uns von den typisch norwegischen Regionen im Westen des Landes verabschieden, ohne sie überhaupt kennengelernt zu haben. Zumindest für dieses Jahr.

Also planten wir fortan, die Region um den "Oslofjord" ausgiebig zu erkunden. Der Oslofjord ist allerdings eher eine Bucht als ein richtiger tiefer Fjord ohne die typischen steilen und bewaldeten Felswände. Wir starteten unsere Reise und fuhren nach Hirtshals, fast an Dänemarks Spitze. Von dort nahmen wir unsere Fähre nach Langesund. Wir hatten auf der Fähre die Kabine gespart und schliefen mit 50 anderen Personen in einem miefigen Raum ganz untem im Schiff. Wirklich gut schlafen konnten wir da nicht und wir waren wirklich froh, als wir früh morgens zum ersten Mal norwegischen Boden unter den Füßen hatten. Der Kontinent mit seinem Stress und dem Verkehrschaos lag nun endlich hinter uns. Meine Frau fuhr und wir hatten vielleicht 2 km Strecke hinter uns, da kamen schon die ersten huppenden Jugendlichen hinter uns gefahren. Überall hatte man uns erzählt, dass die Norweger ganz ruhige und entspannte Autofahrer seien und wir erwischten direkt die ersten und einizigen unreifen Drängler. Irgendwann hatten die sich dann auch getraut zu überholen und dann konnten wir wirklich in aller Ruhe zu unserem Ort fahren. Wir waren in Nötteröy, nahe Tönsberg untergebracht. Tönsberg war allerdings dann wieder etwas merkwürdig, weil es überall Mautstationen gab. Die Stadt war quasi von einem Mautring abgeschirmt. Na ja, irgendwann hatten wir jedenfalls unser Ferienhaus erreicht, wo uns unser Vermieter schon erreichte.
Der alte Mann war extra aus Oslo gekommen, um uns zu empfangen. Lachend schaute er zu, wie wir unser Gepäck zum Haus brachten. Ansich wäre es eine Aufgabe mit normalem Schwieirgkeitsgrad gewesen, allerdings stand unser Haus auf einem ca. 30 m hohen Hügel, dessen Spitze immer nur über einen Steilen Weg zu erreichen war. Schweißüberströmt haben wir es dann doch noch geschafft. Mein Vermieter meinte nur: Yes, a good excercise for you !!! :-)
Dann wurde erst einmal geschlafen. Abends fuhren wir dann noch in den Supermarkt, wo uns der Verkäufer mit immerhin geringen Deutschkenntnissen begrüßte. Überhaupt kamen wir mit Deutsch und Englisch immer wunderbar zurecht in Norwegen, wenn auch die Einheimischen Englisch etwas anders aussprachen, als wir. Die Supermärkte waren bezahlbar, wenn auch Fleisch uns eher teuer vorkam (außer Rentier, woraus wir Spaghetti Bolognese zauberten). Jedenfalls war alles nicht so teuer, wie wir erwartet hatten. Schließlich gilt Norwegen ja eher als teueres Reiseziel!
Was haben wir dann in den folgenden 2 Wochen alles unternommen. Den ersten Tag haben wir mit den Norwegern ihren Nationalfeiertag, den 17. Mai gefeiert. Morgens wurden wir von Kanonenschüssen geweckt und den ganzen Tag traf man überall Leute in Landestracht und mit hübschen kleinen und großen Nationalflaggen.

An jedem Haus, an jedem Mofa flatterte das norwegische Banner. Schon faszinierend! wir schauten uns Tönsberg, die älteste Stadt Norwegens, mit Festung "Slottsfjellet" an. In der Stadt findet man viele kleine und große Geschäfte und einen netten Stadtkern, außerdem das "Vestfold Fylkesmuseum", ein sehr schöne Freilichtmuseum und ein schönes Hafenviertel.
Wir haben auch einige Wanderungen in der Umgebund unternommen, wobei man schon sagen muss, dass die Norweger schon etwas legerer ausschildern als die Deutschen. Trotzdem haben wir immer wieder zurückgefunden und auch in dieser relativ dicht besiedelten Region (für norwegische Verhältnisse) fanden wir viel Natur, dichte Wälder und schöne Bachläufe und Strände.
Der erlebnisreichste Tag war sicher unser Tag in Oslo. Wir fuhren morgens mit einem absolut komfortablen Zug (in Deutschland wäre das Niveau sicher 1.Klasse gewesen) nach Oslo. Der Preis war relativ günstig und so konnten wir uns den Stadtverkehr mit dem PKW ersparen. Oslo hat natürlich unglaublich viel zu beiten, viel zu viel für einen einzigen Tag. Wir kauften uns einen Tagespass, mit dem wir in die meisten Museen kostenlosen Eintritt hatten. Leider hatten an dem Tag viele Museen geschlossen, trotzdem rentierte sich der Kauf für uns knapp. Wir besuchten die Museumhalbinsel "Bygdöy", wo wir das Fram-Museum besuchten. Das Museum beherbergt die Fram, das Polarschiff mit dem Fridtjof Nansen einst kalte Gewässer befuhr. Kein Schiff war jemals nördlicher oder südlicher wie die Fram. Man kann das Schiff bewundern und die Ausrüstung, außerdem erfährt man etwas über die Expeditionen.

Wir besichtigen außerdem das Wikingerschiffmuseum, das Seefahrtmuseum und das Norwegische Volksmuseum mit alten Häusern und der schönen "Stabkirche von Gol". Das "Kon-Tiki Museum" mit dem berühmten Floß von Thor Heyerdahl hatte leider geschlossen. Wir machten noch eine Schifftour, schauten uns das Rathaus an und noch einige kleinere Museen. die Festung Akershus konnten wir auch nur von außen sehen, weil ein afrikanischer Staatsgast empfangen wurde. Dafür schauten wir uns noch das Widerstandsmuseum an und spazierten durch den Hafen. Oslo, hat uns sehr gut gefallen, eine tolle Stadt. Leider, wie schon erwähnt, an einem Tag unmöglich wirklich zu entdecken. Es gibt auch interessante Einkaufzentren und natürlich einige repräsentative Bauten, wie Königsschloss, Parlament (Storting) und Nationaltheater.

Tja, und wir haben das Kunststück fertiggebracht tatsächlich König Harald V. und Königin Sonia zu begegnen. Sie besuchten an diesem Tag die Nationalbibliothek und wir wurden durch die königliche Garde und deren bunte Kostüme auf sie aufmerksam. Aber nach einigen Sekunden Fotoshooting, in denen meinen Digicam natürlich wieder voll versagte, betraten sie dann doch abgeschirmt das Gebäude.
Nahc dem Tag in Oslo, schauten wir uns dann noch die Regionen (Fylke) "Telemark" und "Buskerud" an. Außerdem auch noch etwas Vestfold. Wir fuhren noch nach Drammen und dort zum Aussichtspunkt "Spiralen", außerdem wanderten wir dort noch etwas. Die alte Walfängerstadt Sandefjord mit Walfangmuseum besuchten wir auch. Den "Tyrifjord", einen großen Binnenfjord, das Ende der Welt (Verdens End) auf der Halbinsel "Tjöme" (sehr windig) und einen riesigen Strand mit runden Steinen in allen Variationen.

Das Wetter in unserem Urlaub war so untypisch für Norwegen, wie die Landschaft, wenn man Klischees bedienen möchte. Wir hatten nämlich bis auf einen halben Tag (in Oslo) immer nur Sonne und es war ein Traum.
Eine lustige Anekdote noch: Als ich tanken war und bezahlen wollte, dauerte es ganze 20 min. Eine Norwegerin hatte sich entschlossen ein Handy an der Tankstelle zu kaufen und der Verkäufer nahme sich alle Zeit der Welt ihr sämtliche Modelle und Funktionen zu erklären. Na ja, und was soll ich sagen. Die Schlange wurde immer länger und die einzigen, die das zu stören schien war der Auto dieses Artikels und ein arabischer Kunde. Alle anderen hatten die Ruhe weg. Auch sonst ist Norwegen das richtige Land für denjenigen, der Ruhe sucht. Selbst in der dichtesten Fußgängerzone herrscht lockeres Schlendern vor und kein Anstupsen, drängeln und hektisches durcheinander. Ja, in diesem Punkt haben die Norweger uns sicherlich einiges voraus!
Wer Skandinavien kennt, weiß wie schön das Licht dort oben schon im Mai ist und dann auch noch bei blauem Himmel. wir fuhren nach Deutschland zurück und nahmen folgende Eindrücke mit: Freundliche und relaxte Menschen, schöne Landschaft, gepflegte Städte, Spaghetti Bolognese alla Rentier, Nationalfeiertag mit vielen Flaggen, viel Natur und bequeme Züge!
Ach, ich glaube es wird mal wieder Zeit für einen Norwegen Urlaub!